EINFÜHRUNG
·
Als Konjunktion—auch Bindewort—kann aber Wörter, Texte, Sätze oder Satzteile miteinander verbinden. Es
hat eine koordinierende (Syntax) und
adversative (Semantik) Funktion. Es ist nicht flektierbar, es hat keinen
Satzgliedwert, seine Stellung im Satz ist gewöhnlich festgelegt und es kann
nicht erfragt werden.
®
Aber erscheint im heutigen Deutsch als
adversative Konjunktion ähnlich wie doch:
·
Herr S. ist ein Kindskopf, aber/doch Herr B. ist auch ein Kindskopf.
·
Ich wollte kommen, aber dann
mußte ich noch mal ins Büro.
·
Sind Sie aus München? Ja, aber
ich wohne in Berlin.
®
Nach aber sollte man das Subjekt
wiederholen, auch wenn es gleich ist:
·
Er verlor sein Vermögen, aber
er war nicht unglücklich.
·
Du glaubst, du bist erwachsen, aber in Wirklichkeit bist du noch ein Kind.
·
Man darf keine Äpfel klauen, aber
man kann welche klauen.
®
Aber wird verwendet, wenn einer
negierten Aussage eine andere entgegensetzt wird; also, aber verbindet gegensätzliche Satzglieder oder Sätze:
·
Sie ist keine Deutsche, aber
sie lebt in der Bundesrepublik.
·
Die Eltern fahren nach Italien, aber
die Kinder bleiben zu Hause.
·
Ich habe es probiert, aber du
nicht
®
Aber kann auch eine Einschränkung ausdrücken:
·
Er bot mir Kekse und Schokolade an, aber
keinen Kaffee.
®
Aber kann nicht das Vorfeld besetzen:
* Sie
sparten eifrig, aber machte die Inflation alle Bemühungen zunichte.
®
Aber kann frei im Satz stehen, je nach
der Betonung. Dann funktioniert es als eine Art Fokuspartikel:
·
Du kannst zu uns kommen, aber
du kannst hier nicht übernachten.
· Du kannst zu uns kommen, du kannst aber hier nicht
übernachten.
·
Du kannst zu uns kommen, hier aber
kannst du nicht übernachten.
·
Du kannst zu uns kommen, du kannst
hier aber nicht übernachten.
·
Mit Modalpartikeln kann der
Sprecher seinen eigenen Aussagen eine bestimmte oder subjektive Tönung geben.
Im Gegensatz zu Konjunktionen kodieren Modalpartikeln keine syntaktischen
Relationen zwischen Satzgliedern oder Teilsätzen. Im konversationellen Kontext
modifizieren sie den Sprechakt—im Sinne der Sprechers—, den
Interpretationsprozeß des Hörers, und steuern die Interaktion. Die
kommunikative Funktion dominiert bei den Modalpartikeln (aus Diewald Zitaten
von Helbig/Buscha: Seite 76). Das ist, sie weisen eine Menge semantischer,
syntaktischer und pragmatischer Eigenschaften auf.
· Auf Grund der gemeinsamen
Gesamtbedeutung ist aber die Grenze zwischen Partikel und Konjunktion in
manchen Fällen schwer zu ziehen:
· Er konnte nicht segeln, aber er konnte schwimmen. (Konjunktion)
· Er konnte nicht segeln, aber schwimmen konnte er! (Abtönungspartikel)
·
Er ist groß, aber schwach. (Konjunktion, nicht abtönungsfähiges Wort —assertiver Modus)
·
Seid ihr aber groß geworden! (Abtönungspartikel, —exklamativer Modus)
·
Als Modalpartikel—auch Abtönungspartikel, Illokutivpartikel oder Würzwörter
(altmodische Benennung)—ist aber eine
Sonderverwendung des Wortes („Homonym“ zu einer anderen Wortart: die
Konjunktion), die primär eine koordinierende adversative Funktion hat. Es ist
nicht flektierbar, nicht satzgliedfähig—obwohl es den ganzen Satz modifizieren
kann—nicht erststellenfähig, nicht erfragbar
und weist eine abstrakte semantische Funktion auf. Mit aber wird nur eine schwache
Adversativität ausgedrückt, die nicht auf zwei entgegensetze Elemente bezogen
ist. In einigen Wörterbüchern ist Modalpartikel manchmal auch unter
‚Verstärkend‘ oder ‚zur Verstärkung‘ eingetragen.
® Als Partikel kann aber nicht in Aussagesätzen, Entscheidungsfragen
und Ergänzungsfragen stehen, wenn diese nicht Ausrufe—Intonation haben.
· Peter hat aber ein Auto. (Konjunktion nicht Partikeln)
®
Aber besitzt eine semantische Komponente:
·
Das ist aber nicht nett von
dir!
(drückt eine leichte Adversativität aus)
·
Das ist auch nicht nett von
dir!
(Verstärkung)
®
Aber kann Überraschung ausdrücken:
·
Das ist aber eine
Überraschung! (man erwartet etwas anderes)
·
Was sind das aber auch für
Leute!
(unerwartete Äußerung)
·
Das war aber knapp! (die Erwartungen sind
anders als die Realität)
®
Aber kann in erstaunten Ausrufen stehen:
·
Seid ihr aber groß geworden! (letztes Mal war es noch
ein Kind —subjektive Meinung)
·
Sie sprechen aber gut Deutsch! (es ist erstaunlich)
·
Das ist aber erstaunlich!
®
Beachten Sie die folgenden Beispiele:
·
Ihr habt ja Fragen! (ich bin erfreut über euer
Interesse)
·
Ihr habt aber Fragen. (unterschiedliche
Bedeutungen je nach dem Kontext)
(Beispiele von E. & H. Weydt)
®
Aber kann in einen erstaunten Kommentar
nach dem Kontext positive oder negativ gemeint sein:
·
Ihr habt aber Fragen! (ich bin zufrieden
darüber; ihr habt viele/keine Frage; fragt nicht so viel; ihr könnt vielleicht
fragen; was für eine Art Fragen sind das?...)
® Aber drückt in Unterschied zu ja meist ‚graduelles‘ nicht ‚absolutes‘ Erstaunen aus:
·
Au, der ist ja heiß! (das war hier nicht
erwartet)
·
Au, der ist aber heiß! (das war hier erwartet,
aber nicht so heiß)
(Beispiele von E. & H. Weydt)
® Man kann die Grundbedeutung
von aber angeben als ‚Indizierung
einer adversativen Relation zwischen pragmatischem Prätext und in der Äußerung
dargestellter Situation‘ (Diewald: Seite 80):
·
Du bist aber früh daran! (normalerweise bist du das
nicht)
· Sei aber pünktlich! (Kotext Information: ich weiß, daß
du normalerweise nicht pünktlich bist)
® Aber kann auch in daß-Sätzen stehen, die selbständig sind,
emphatisch uminterpretiert sind und Ausrufe-Intonation haben:
· Daß Peter aber/auch eine solche Reise gemacht hat!
(weite,
gefährliche...)
® Aber kann auch in Aufforderungssätzen mit Imperativ stehen:
· Nun schlaff aber/auch endlich!
·
Als Adverb ist es heute nur im
doppelten Ausdruck verwendet:
·
Aber und abermals.
·
Tausend und aber tausend Leute.
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