ZUSAMMENFASSUNG DER GRAMMATIKEN

 

 

„Trotzdem“ ist im Bezug Bedeutungsleistungen der gleichordnen Konnektoren, eine Modal (Begleitumstände) und im Bezug Bedeutungsleistungen der unterordnenden Konnektoren ein Konzessiv (Einräummung) Konnektor.

 

 

In bezug auf den Gebrauch von trotzdem als konzessive Konjunktion bleiben die Aussagen des Grammatik-Dudens wiederum recht vage:

 

„Auch trotzdem wird gelegentlich als Konjunktion gebraucht. Hier handelt es sich um eine Entwicklung, die bei anderen Partikeln bereits abgeschlossen ist, nämlich um den Übertritt aus den Hauptsatz in der Gliedsatz, wobei die eigentliche Konjunktion (daß) wegfällt:

[...] Trotzt dem, daß ich gehen wollte, horchte ich doch wieder auf seine Worte hin. (A. Stifter) Trotzdem daß man nicht weiß, ob man sich mehr ärgern, lachen oder weinen soll. (Raabe) Hatte der Ökonomierat recht, so hielt die Baronin, trotzdem er auch in Hof, Feld und Wald gesehen wurde, doch unmerklich die Zügel. (Hauptmann)  1

 

 

Die von Duden angeführten Beispielsätze könnten eine neue Norm, nämlich dass trotzdem in Anlehnung an seitdem und indem auch einen Nebensatz einleiten kann, von der Sprachentwicklung her begründen. Von der Möglichkeit, dies zu realisieren, macht die Duden-Reaktion offensichtlich keinen Gebrauch, denn sie vermerkt lakonisch:

 

„Die Verwendung von trotzdem als konzessive Konjunktion wird in der Standardsprache weitgehend vermieden [...]“2

 

 

 

 

In der Grammatik von Engel gibt sie doch in differenzierter und unmißverständlicher Weise Auskunft:

 

trotzdem

Konzessiv: Dieser Subjunktor weist den Nebensatz-Sachverhalt als ‚unzureichenden Gegengrund‘ zum Hauptsatz-Sachverhalt aus. Er wird immer auf der zweiten Silbe betont:

Trotzdem wir nicht in allen Punkten einer Meinung sind, müssen wir jetzt zusammenhalten.

Sie nahm an der Veranstaltung teil, trotzdem niemand sie eingeladen hatte.

Der Subjunktor trotzdem ist bedeutungsgleich mit den Subjunktoren obwohl, obgleich, obschon, obzwar. Von vielen Stilisten wird der Gebrauch von trotzdem als Subjunktor verworfen; in der Alltagssprache ist er dennoch ziemlich häufig zu beobachten, und auch im Bereich der Standartsprache kann er heute nicht mehr als unkorrekt bezeichnet werden.

Im Hauptverfahren ist trotzdem einen Rangierpartikel mit konzessiver Bedeutung: sie verweist mit ihrem pronominalen Teil (dem) auf einen gegensätzlichen Sachverhalt, der aber als Gegengrund unwirksam bleibt:

Sie haben einen großen Fehler gemacht. Trotzdem wollen wir Sie noch einmal nach Brasilien schicken.

In diesem Falle wird trotzdem auf der ersten Silbe betont.3

 

 

 

Bei Helbig/Buscha sucht der Leser erfolglos nach einer Erklärung dafür, weshalb bislang keinesfalls selbstverständliche Gebrauch von trotzdem als subordinierende Konjunktion hochsprachlich einwandfrei ist. Die Sprachnorm, die eine solche Verwendung von trotzdem möglich macht, bleibt hier bedauerlicherweise im Unterschied zum Grammatik-Duden unreflektiert:

 

                  trotzdem

Subordinierend. Konzessiv. (= obwohl)

Trotzdem die DDR eine geringe Rohstoff hat, entwickelt sie sich wirtschaftlich sehr schnell.

         Er kam zur Arbeit, trotzdem er eine leichte Grippe hatte.

Trotzdem das Wetter während des ganzen Urlaubs schlecht war, haben wir uns gut erholt.

                       Merke:

                        Trotzdem ist auch in koordinierender Funktion als Konjunktionaladverb üblich:

Die DDR hat eine geringe Rohstoffbasis; trotzdem entwickelt sie sich wirtschaftlich sehr schnell.“ 4

 

 

 

Bei Eisenberg findet sich der Partikel trotzdem als sie über konsezzive Konjunktionen sprechen:

„[...] Die konzessive Konjunktionen sind – ebenso wie Adverbien zur Beziehung von Konzessivität (nichtsdestoweniger, gleichwohl, dennoch) – sämtlich morphologisch komplex. Auch die einzige konzessive Präposition trotz ist komplex, so daß es keine regulär auf da und hier gebildeten Pronominaladverb gibt. Als Korrelate zur Konzessivsätzen kommen aber beispielsweise trotzdem und dessen ungeachtet in Frage:

a. Obwohl ich keine Zeit habe, besuche ich dich trotzdem.

b. *Ich besuche dich trotzdem, obwohl ich keine Zeit habe.“ 5

 

 

Dann fragt er den Leser in der folgender Seiten:

 

„ Koordinierende Konjunktion: Abgrenzung.

Wie lassen sich koordinierende Konjunktionen syntaktisch von Adverbien wie dennoch, trotzdem abgrenzen? Nennen Sie Ausdrücke, die zu beiden Kategorien gehören.“6

                 

 

Dann, in den Lösungshinweisen gibt es einen Beispielsatz, der als „ungrammatisch“ ausgewiesen wird:

 

                  Adverbien in Spitzenstellung führen zur Inversion von Subjekt und finitem Verb.

a.      Karl hat sich angestrengt, trotzdem hat er verloren.

b.     *Karl hat sich angestrengt, trotzdem er hat verloren.

 

[...] Auch hinsichtlich der Stellungsmöglichkeiten unterschieden sich Konjunktionen und Adverbien. Konjunktionen stehen in der Regel nur am Satzanfang (Ausnahme: aber).“7

 

 

 

 

DARSTELLUNG DER WÖRTERBÜCHER



1 DROSDOWSKI, G.: 1984. Duden-Grammatik. Mannheim, usw.: Bibliographisches Institut,  S.379.

2 Ebd, S. 379.

3 ENGEL: 1991. Deutsche Grammatik. Heidelberg: Julius Groos, S. 728f.

4HELBIG/BUSCHA: 1981. Deutsche Grammatik. Leipzig usw.: Enzyklopädie, S. 468.

5 EISENBERG: 1994. Grundriß der deutschen Grammatik. Stuttgart, usw.: J.B. Metzler Verlag, S. 358.

6 Ebd, S. 466.

7 Ebd, S. 515.